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Kinderschutz-Software für Windows im Test

Das Internet hat zwar viele geeignete Spielplätze für Kinder, aber mit Sicherheit noch viel mehr ungeeignete. Aber wie will man die Geschicke der Kinder im Web lenken, ohne als Eltern ständig daneben zu sitzen? Eine Lösung kann Kinderschutz-Software sein. Die Experten von AV-TEST haben geprüft, ob die Software-Pakete verlässlich arbeiten und haben zwei Produkte zertifiziert.

Kinderschutz-Software im Test.

Webseiten-Erkennung und Filterung: Die speziellen Kinderschutzpakete halten die Erkennung von ungeeigneten und geeigneten Seiten besser in der Waage.

Wichtige Zusatzfunktionen: Alle Programme lassen sich im Betrieb nicht einfach aushebeln und etwa den Task killen.

Log- und Report-Funktionen: Wenn Eltern es wünschen, dann fertigen die speziellen Kinderschutz-Pakete sehr ausführliche Berichte an.

Kaspersky Safe Kids: Das verlässliche Kinderschutz-Paket für Windows arbeitet auch plattformübergreifend mit Android und iOS.

Norton Family: Die Kinderschutz-Software von Symantec kennt sehr viele Kategorien und lässt sich so recht fein justieren.

Microsoft Family Safety: Das bei Windows 10 integrierte Tool ist zwar nützlich, lässt aber bei der Webseiten-Erkennung alles durch außer Sex.

Für Eltern ist es eine ständige Gratwanderung, wie weit sie das Medium Internet für ihre Kinder kontrollieren wollen. Verbieten sie den Zugriff, steigert das die Lust am Verbotenen. Lassen sie dem Kind freie Hand, ist das unverantwortlich. Der erste Blick geht daher in Richtung Kinderschutz-Software, die das Ganze richten soll. Aber kann sie das? Sind diese speziellen Software-Pakete in der Lage, die Internet-Angebote so zu filtern, dass einerseits interessante und geeignete Seiten sich öffnen und andererseits ungeeignete nicht zu sehen sind?

AV-TEST hat in diesem Test zweimal drei Programme mit in den Vergleich genommen, damit man die Leistung besser bewerten kann. Die 3 Internet-Schutz-Pakete waren nicht Teil des Zertifizierungstests.

- Die Produkte Kaspersky Safe Kids und Norton Family sind zwei spezielle Kinderschutz-Programme
- Microsoft Family Safety, die Kinderschutz-Funktionen von Windows 10
- Die Internet-Schutz-Pakete von F-Secure, Quick Heal und Trend Micro jeweils mit Kinderschutzfunktionen.

Fast 10.000 Webseiten zur Prüfung

Nur im Testabschnitt Erkennung und Filterung von Links und Webseiten wurden alle genannten Programme im Vergleich geprüft. In den weiteren Kategorien Zusatzfunktionen sowie Log- und Berichtfunktionen wurden nur die beiden Kinderschutzprogramme und das interne Windows-10-Modul Microsoft Family Safety einbezogen. Denn nur bei diesen drei Programmen wurden die für den Test geforderten speziellen Funktionen untersucht.

Für den besseren Vergleich wurde in allen Paketen ein fiktives 7-jähriges Kind eingestellt oder die dafür fertigen Vorgaben genutzt. Danach mussten die Programme in 8 Kategorien über 6.700 nicht kindgerechte Seiten ausfiltern. Als Gegenprobe sollten die Pakete noch über 3.000 kindgerechte Webseiten als solche erkennen. Der theoretische Idealfall wäre, dass die 6.700 Seiten geblockt und die über 3.000 Seiten gezeigt werden. Aber das schaffte natürlich keines der Programme, da es bei beiden Gruppen immer wieder zu falschen Auswertungen bei der Seitenanalyse kommt.

Einen Großteil der Seiten filtern die Produkte mit Hilfe der Blacklisting-Technologie: das ist einfach eine Sperrliste mit vielen bekannten Internet-Adressen von Webseiten mit nicht kindgerechten Inhalten. Den Rest der Webseiten im Test müssen die Produkte alleine durch ihre eigenen Techniken, Logik-, Satz- und Wort-Analysen filtern.

Kategorien erleichtern die Sortierung

Die 6.700 zu prüfenden Seiten sind in folgende Kategorien aufgeteilt:

- Sex, Nacktheit, Pornografie
- Chats & Foren (alle)
- Dating & Treffs
- Filesharing
- Glücksspiele
- Unterhaltungsspiele (alle)
- Shopping-Seiten und Auktionen
- Waffen & Munition

Die beiden Kinderschutz-Software-Pakete von Kaspersky Lab und Symantec filtern die unpassenden Seiten mit hohen Raten, wobei es Kaspersky mit Werten von fast immer über 90 Prozent etwas besser macht. Die Gegenprobe mit passenden Seiten gelingt wiederum Symantec besser mit 97 Prozent; Kaspersky hat 91 Prozent. Das Windows-10-Modul filtert nur verlässlich in der Kategorie Sex, Nacktheit, Pornografie mit 97 Prozent. Den Rest der Kategorien kennt Windows nicht und lässt daher fast 4.500 Seiten passieren. Die Gegenprobe mit kinderfreundlichen Seiten fällt dagegen sehr gut aus. Das liegt aber wohl wiederum daran, dass hier viele Kategorien nicht weiter kontrolliert werden.

Wie gut filtert Security-Software?

Aber wie gut machen das im Vergleich Internet-Security-Suiten mit einfachen Kinderschutzfunktionen? Die Tabelle zeigt, dass besonders Quick Heal in fast allen Kategorien mit Sortierquoten etwas unter oder über 90 Prozent gut mithalten kann. Trend Micro und F-Secure haben jeweils einige negative Ausreißer. In der Gegenprobe allerdings spiegelt sich das rigide sortieren von Quick Heal wider. Nur 64 Prozent der kindgerechten Seiten werden gezeigt. Trend Micro und F-Secure haben hier wieder Werte über 95 Prozent.

Mehr Funktionen bei richtiger Kinderschutz-Software

Die mitgeprüften Internet-Security-Suiten machen zum großen Teil einen guten Job. Weitere spezielle Funktionen für den Kinderschutz gibt es aber schlicht nicht. Sie finden sich nur in den speziellen Kinderschutz-Applikationen von Symantec, Kaspersky Lab und zum Teil auch im Microsoft-Modul.

Die weiteren geprüften Kategorien Zusatzfunktionen sowie Log- und Berichtfunktionen bieten eigentlich das, was viele Eltern suchen. Als Erstes ist das der Suchmaschinenschutz. Hier lässt sich die zugängliche Suchmaschine festlegen. Diese Funktion unterstützen alle 3 Produkte. Ebenso lassen sich bei allen Prüflingen die Zugangszeiten für das Internet festlegen, aber nicht übergreifend die PC-Nutzungszeit. Die Sperre von einzelnen Programmen sucht man lediglich bei Symantec vergeblich.

Microsoft kennt kein Facebook

Der Schutz für Facebook ist nur Microsoft zu neu. Symantec und Kaspersky protokollieren die gesamte Facebook-Aktivität und speisen sie später automatisch in das Berichtswesen ein. Für den direkten Eingriff gibt es auch die Steuerung und den Zugriff aus der Ferne, also etwa von einem anderen PC aus. Das bieten alle Programme an. Nur die Ausführung ist von Produkt zu Produkt verschieden.

Sind die Kinder schon fast Jugendliche, dann sind ihre PC-Kenntnisse meist besser als die der Eltern. Aber so einfach abschalten lassen sich die Anwendungen trotzdem nicht. Keines der Programme lässt sich über den Task-Manager von Windows killen oder etwa deinstallieren. Lediglich beim Umweg über den abgesicherten Modus wird es kritisch. Dann lassen sich die Produkte von Kaspersky Lab und Symantec lahmlegen. Beim Microsoft-Modul geht das nicht ganz so einfach – man muss schon einen Administrator-Zugang haben.

Sicherung der Beweismittel

Mit Hilfe der Log- und Berichtfunktionen sammeln die Programme alle möglichen Daten für die Eltern: welche Webseiten wurden besucht und welche wollte das Kind besuchen, sowie die gesamte Suchhistorie. Das protokollieren alle geprüften Pakete für ihre Berichte. Symantec und Kaspersky merken sich auch, was wann in Facebook gepostet wurde. Kaspersky zeichnet sogar auf, wann und welche gesperrten Programme trotzdem gestartet wurden.

Für die Zeitkontrolle protokollieren Kaspersky und Symantec die gesamte Nutzungszeit des PCs und fertigen abschließen auch noch eine sauber aufgeteilte Gesamtübersicht über alle Verstöße an.

Schutz-Paket oder Spezialist?

Wenn es nur um die Filterung von Webseiten geht, dann leisten die speziellen Kinderschutz-Pakete genauso wie die Internet-Security-Suiten eine recht gute Arbeit. Zusätzlich lassen sich die speziellen Produkte einem Kind noch feiner anpassen. Es gibt dazu einfach mehr Funktionen. Die Bordmittel von Microsoft sind gut gemeint, aber sie greifen beim Surfen zu wenig ein. Gerade kleinere Kinder kommen hier zwar kaum zu Seiten mit Sex-Inhalten, aber der Weg zu Kriegsspielen oder illegalen Webseiten ist zu einfach. Das können die Spezial-Programme oder die Schutz-Suiten wesentlich besser.

Bei den zusätzlichen Steuerungs- und Berichtsfunktionen ist Kinderschutz-Software viel umfangreicher als normale Schutzpakete. Zur Not lässt sich der PC immer lenken und mit Hilfe der Protokolle und Auswertungen können die Eltern ihrer Verantwortung nachkommen. Daher hat AV-TEST auch die beiden umfänglichen Produkte Kaspersky Safe Kids und Symantec Norton Family zertifiziert (siehe unterer Kasten).

Bei älteren Kindern wird das Überwachen viel schwerer, da sie neben dem PC auch noch mobile Geräte wie Tablets oder Smartphones nutzen. Auch hier haben sich die Spezialisten von Kaspersky Lab und Symantec ihre Gedanken gemacht und bieten übergreifenden Schutz für Android und iOS an. Die Produkte auf den verschiedenen Plattformen sind dann aufeinander abgestimmt.

So funktioniert die Zertifizierung von Kinderschutz-Software

Für den Erhalt eines Zertifikats
muss Kinderschutz-Software
einiges mitbringen.

Im aktuellen Test wurden die Produkte Kaspersky Safe Kids und Symantec Norton Family von AV-TEST zertifiziert. Für den Erhalt des Zertifikats mussten die Software-Pakete einige Hürden überwinden und ihre Verlässlichkeit beweisen.

An erster Stelle steht natürlich die Erkennung und Filterung von Webseiten. Beide Programme liegen hier deutlich über den geforderten 80 Prozent Filterleistung bei ungeeigneten Webseiten. Bei den geeigneten Seiten darf die Blockrate nicht höher als 10 Prozent liegen. Auch das meistern die beiden Programme.

Damit das Ganze funktioniert, müssen natürlich einige Funktionen vorhanden sein. Sie werden zur Zertifizierung benötigt: so muss es verschiedene Profile für Kinder unterschiedlichen Alters geben. Das Programm muss die Eltern bei der Einrichtung unterstützen. Natürlich muss auch der Suchmaschinen-Schutz vorhanden sein und somit auch die Unterstützung der gängigen Browser.

Als weitere Funktion muss sich die Nutzungszeit des PCs oder des Internet-Zugangs regulieren lassen. Sehr wichtig: eine laufende Kinderschutz-Software darf sich nicht einfach über den Task-Manager beenden lassen. Ebenso muss ein aktiver Schutz gegen die Deinstallation vorhanden sein.

Weiterhin wichtig ist das Berichtswesen mit einer Gesamtübersicht. Nur auf diese Weise können Eltern sehen, was die Kinder gemacht haben. Über die Fehlerlisten lässt sich das Programm dann auch noch feinjustieren.

Alle diese Punkte erfüllen die Produkte Kaspersky Safe Kids und Symantec Norton Family und erhalten dafür das Zertifikat "APPROVED Parental Control Windows 07/2016" von AV-TEST.

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